Landesärztekammer Baden-Württemberg wendet sich gegen pauschale Vorwürfe

Kampagnenstart: "Nicht korrupter Arzt" / "Nicht korrupte Ärztin"

Während Deutschland auf einen riesigen Ärztemangel zusteuert, erleben die Ärztinnen und Ärzte gleichzeitig eine groß angelegte Treibjagd auf ihre Qualität und ihre ethische Reputation. Fast täglich erscheinen Berichte in den Medien welche sich gegen die Integrität der Ärzte und ihre Berufsausübung richten. Sie werden dort pauschal des Pfuschs, der Abzocke und der Bestechlichkeit bezichtigt. Die Ärztinnen und Ärzte empfinden diese Diffamierungskampagne als unerträglich.

Als erste Sofortmaßnahme hat die Landesärztekammer Baden-Württemberg mit ihren vier Bezirksärztekammern in Nordwürttemberg, Nordbaden, Südwürttemberg und Südbaden auf dem heute eröffneten Kongress MEDIZIN 2013 in Stuttgart eine Kampagne gestartet: Alle Mediziner, die an der Veranstaltung teilnehmen, erhalten am Stand der Ärztekammern eine Ansteckplakette mit dem Slogan "Nicht korrupter Arzt" bzw. "Nicht korrupte Ärztin". Der Button kann nicht nur während des Kongresses getragen werden, sondern soll auch in Praxis und Klinik die Patienten zu Nachfragen bei der Ärztin und beim Arzt animieren. Hinzu kommen Informationsplakate bzw.  -flyer, die über der Website der Landesärztekammer Baden-Württemberg erhältlich sind.

Warum gerade jetzt diese Aktion?

Der so genannte Organspendeskandal wird aktuell als Beweis der Korruptionsbereitschaft der deutschen Ärzte herangezogen. Ihrer Selbstverwaltung wird immer häufiger insuffiziente Arbeit und Dienst nach Vorschrift vorgeworfen. Wenige schwarze Schafe unter den Ärzten rechtfertigen augenscheinlich die Generalschelte gegen Krankenhäuser, Kassenärztliche Vereinigungen, Ärztekammern sowie gegen einen ganzen Berufsstand.

Diese Verunglimpfungen der Ärzteschaft gehen an der Sache vorbei. Die Wirkung ist verheerend - derartige Verallgemeinerungen führen dazu, dass man beispielsweise in der Praxis als versorgender Arzt bei jedem Rezept verdächtigt wird, etwas dafür zu bekommen. Das verunsichert die Patienten und sorgt für unnötiges Misstrauen. Dabei ist das Gegenteil wahr: Die Mediziner haften auch noch für ihre Verschreibungen und bekommen im Zweifelsfall sogar einen Regress.

Daher fordert die baden-württembergische Ärzteschaft:

  • Schluss mit der aus Einzelfällen abgeleiteten Verurteilung aller Ärzte
  • Versachlichung der Diskussion über vermeintliche Bestechlichkeit
  • Mehr Kompetenzen für die verfasste Ärzteschaft, um selbst und aus sich heraus gegen ärztliches Fehlverhalten vorgehen und relevante Dokumente und Beweise sicherstellen zu können


Geht es hingegen weiter wie bisher, so wird die Bereitschaft junger Ärztinnen und Ärzte, ihren Beruf in Deutschland auszuüben, nicht unbedingt beflügelt. Das würde die Situation für die Ärzteschaft und die Patienten weiter verschärfen.

 

Weitere Informationen und Bilder zur MEDIZIN 2013 finden Sie unter http://www.messe-stuttgart.de/medizin/

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letzte Änderung am 25.01.2013